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Historischer Überblick Aufstand in Frankfurt Der Brötchenaufstand von 1848 Der Bierkrawall von 1873
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Teil 3
Der Brötchenaufstand von 1848
Juli 1848: In der Frankfurter Paulskirche tagte seit sechs Wochen die Deutsche Nationalversammlung, die gerade Erzherzog Johann von Österreich zum
Reichsverweser gewählt hatte. Die Schiffer, Fischer und Gerber von Sachsenhausen blickten täglich mit stillem Neid auf die Weltgeschichte, die sich jenseits den Mains vollzog und allabendlich wurde beim Schoppen
festgestellt, dass Sachsenhausen endlich auch seine Revolution haben müsse. Aber mit welchem Ziel? Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit hatte bereits das Paulskirchenparlament für sich beansprucht, ebenso eine
Verfassung. Andererseits sich jenseits des Mains noch die ursprüngliche Überzeugung erhalten, der zu Folge Glück in Käse, Kraut und Most zu bemessen ist. So hat für den Sachsenhäuser nur wenig Wert, was er
nicht trinken oder essen kann - und eine Verfassung kann man nicht essen. Das Gleiche galt allerdings auch für die Brote und Brötchen des Bäckers Jost in der Löhergasse. Dessen Brötchen waren zu klein und seine
Brote nur halb gebacken. Beschwerte sich jemand über das unzulängliche Backwerk, dann beschied ihm der brüske Bäckermeister, dass er froh sein solle, überhaupt etwas zu bekommen. Kurz, der Mann war schlimmer
als seinerzeit Marie Antoinette, die dem Pöbel geraten hatte Kuchen zu essen, wenn es kein Brot gab. Man erwog nun ihn wie früher mit dem Ohr an seine Tür zu nageln oder ihm die Ohren aufzuschlitzen, aber das
erschien zu wenig revolutionär und wurde verworfen. Man entschied sich, stattdessen mit allerlei Küchengerät vor das Haus des tyrannischen Bäckers zu ziehen und dort so lange Lärm zu verursachen, bis der Mann
sich ergeben würde - ein Vorgehen, das man während der Revolution nördlich des Mains mit wechselndem Erfolg gegen Politiker eingesetzt hatte.
Am Abend des 6. Juli versammelte sich die revolutionäre Bevölkerung von Sachsenhausen vor der Haus des Bäckers und begann mit Pfannen und
Töpfen, Kannen und Bembeln ihr Missfallen kundzutun. Anstatt sich mannhaft der Menge zu stellen, zog es der Bäcker jedoch vor, über den Main zu flüchten und die Frankfurter Stadtwehr zu Hilfe zu holen. Unter dem
Schutz von einem Dutzend Gendarmen kehrte er nach Sachsenhausen zurück, wo die Revolution mittlerweile in die zahlreichen Kneipen verlegt worden war. In der erstbesten Kneipe wies der verjagte Tyrann willkürlich
auf vier der Revolutionäre und verlangte deren Verhaftung - aber so einfach ließen sich die Sachsenhäuser ihre Revolution nicht nehmen, die Gendarmen wurden vor die Tür gesetzt. Auch die herbei geeilte
Verstärkung wurde verprügelt und verjagt.
Nun wurde auch die Frankfurter Stadtregierung auf die Lokalrevolution aufmerksam und entschied - angesichts der bevorstehenden Ankunft des
Reichsverwesers -, dass die Revolution bereits stattgefunden hätte und der Sachsenhäuser Aufstand daher unzulässig sei. Um die ungenehmigte Revolution umgehend niederzuschlagen wurde am 7. Juli das in Frankfurt
stationierte Linienregiment nach Sachsenhausen beordert. 120 Mann marschierten über die Alte Brücke. Die Sachsenhäuser erkannten, dass nun ihre Lebensgrundlage - die ungestörte Einnahme von Handkäse, Geselchtem
und Apfelwein - auf dem Spiel stand und griffen zu den Waffen. Bembel wurden geleert und geschwenkt. Die Handkäsevorräte wurden in Sicherheit gebracht. Die Fenster wurden geöffnet und laut nach draußen
geschimpft. Einigen Soldaten gelang es noch einen Unbeteiligten zu verhaften, dann mussten sie sich flüchtend mit ihrem Gefangenen ins Deutschordenshaus zurückziehen. Aber der Deutsche Orden hatte bereits das
Baltikum verloren und konnte auch in Frankfurt keinen Schutz mehr bieten: Das Volk stürmte die Tore, der Gefangene wurde befreit und die im Heu versteckten Soldaten aufgespürt und verprügelt. Unterdessen begann
das Regiment sich aufzulösen: Die Soldaten erkannten die hehren Ziele der Sachsenhäuser und dass ein Mann für seinen tägliche Schoppen notfalls kämpfen muss. Die meisten schlossen sich der Revolution an, die
Unbesonneneren unter den Soldaten flüchteten. Hinter ihnen wurden am Affentor und am Schaumaintor sowie auf der Alten Brücke Barrikaden errichtet.
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Sachsenhausen war frei und fest entschlossen frei zu bleiben. Kessel voller Pech wurden zum Sieden gebracht, auf den Barrikaden wehten rote Fahnen,
die zum Kampf geleerten Bembel wurden wieder gefüllt, in den Straßen herrschte fröhliche Anarchie. Die Fröhlichkeit wurde leicht getrübt, als gegen 9 Uhr abends ein heftiger Gewittersturm mit Hagel einsetzte.
Die Revolution wurde daraufhin wegen schlechten Wetters in die Kneipen verlegt. Die Soldaten, die sich auf der Alten Brücke gesammelt hatten, mussten durchnässt und entmutigt im Regen ausharren. Sie
wussten, dass sie auf der falschen Seite standen. Am nächsten Morgen standen die Sachsenhäuser wieder auf den Barrikaden, bereit bis zum letzten Handkäse die Revolution zu verteidigen. Doch diesmal hatten sie
keine Chance, denn kurz nach Sonnenaufgang kamen die Marktfrauen aus Oberrad, die durch das Affentor und über die Alte Brücke zum Markt wollten. Mit den Worten "Ihr Lumpehunde! Alleh! Uffgeräumt!
Vorwärts!" verlangten sie durchgelassen zu werden. Die Revolutionäre erkannten, dass sie gegen diese Höhere Gewalt machtlos waren und räumten die Barrikaden ab. Die Revolution war zuende, aber Sachsenhausen
hatte gesiegt: Schoppen und Handkäse waren gesichert. Und einen Bäcker Jost hat man seitdem in Sachsenhausen nicht gesehen.
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